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Verkündigung in der zeitgenössischen Kunst
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Das AVE MARIA-Kunstprojekt
Das AVE MARIA Kunstprojekt wurde zum ersten Mal beim 1.Ökumenischen Kirchentag 2003 in der evangelischen St. Marienkirche am Alexanderplatz der Öffentlichkeit vorgestellt. 2005 folgten mehrere erneut öffentlich geförderte Ausstellungen im Rahmen des Themenjahres >1000 Jahre Christentum in Brandenburg< in Zusammenarbeit mit Kulturland Brandenburg e.V. Ein Jahr später konnte man eine erweiterte Präsentation in der Evangelischen Christuskirche in Kassel-Wilhelmshöhe sehen, die durch ein vielfältiges Rahmenprogramm inhaltlich ergänzt wurde. 2008 zeigte die Katholische Akademie in Münster die Ausstellung mit einer Reihe neu entstandener Werke. Am 20.November 2011 findet im Kreismuseum Peine die nächste große Ausstellung zum Thema statt.

Beginn des christlichen Heilsgeschehens
Die „ Verkündigung an Maria “ ist das Fundament des christlichen Heilsgeschehens. Im Lukas-Evangelium (Lk I,26-38) ist die Verkündigung der Geburt Jesu auf Maria konzentriert. Die durch das Kommen und Gehen des Engels gerahmte Texteinheit ist als dreiteiliger Dialog in einen begrüßenden, verheißenden und erklärenden Teil gegliedert, der mit der Annahme Mariens endet. Ihre Bereitschaft ist dabei weniger Ausdruck ihres Verstehens oder Wissens als vielmehr ihres Glaubens und Gottvertrauens. In diesem Kommunikationsgeschehen steht Maria exemplarisch für den offenen Menschen, der von Gottes Wort getroffen wird und auf seine Botschaft hört.

Beliebtes Motiv in der darstellenden Kunst
Die zentrale Schlüsselrolle der Verkündigung („wahrer Gott und wahrer Mensch“) erklärt die Häufigkeit der Darstellung in der Kunstgeschichte.
Kaum ein anderes Thema hat seit fast 2000 Jahren die Phantasie der Künstler mehr angeregt und im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt.
Im 3.Jahrundert beginnend, erfolgt im 5./6. Jahrhundert die ikonographische Fixierung des Motivs, dass der Erzengel Gabriel in der Regel von links kommt und Maria sitzend oder stehend seine Botschaft empfängt. Der Engel hält meist ein Zepter, Spruchband oder Lilienzweig in der Hand.
Der Gottesmutter werden verschiedene Attribute und Symbole zugeordnet, wie z.B. Lilien, Rosen, Glasgefäß, Buch, Betpult, Bett, Spindel, Handarbeitskorb u.a.m. In allen Epochen war - und ist! - fast jeder Künstler darum bemüht, das Verkündigungsgeschehen in seine eigene Zeit zu übertragen. Gestaltungsmittel hierfür sind nicht nur die Kleidung, sondern auch Architekturzitate. So wird das Motiv in alle nur denkbaren Raumbezüge integriert: vor die Tore der Stadt; in eine Kirche; in einen geschlossenen Garten; in eine Klosterzelle; in einen Palast; in eine Ruine; in eine bürgerliche Schlafkammer oder in einen diffusen, mit Wolken erfüllten Innenraum. Im Mittelalter wurde die Verkündigungsszene häufig mit einem reinen Goldgrund hinterlegt. Dadurch wurde die Begegnung zwischen Göttlichem und Menschlichem dem irdisch Zufälligen enthoben und das Mysterium ins zeitlos Transzendente entrückt. Im 20. Jahrhundert entstehen Werke, die ganz auf eine Ortsbestimmung verzichten, und einige Künstler gestalten die Verkündigung an Maria völlig abstrakt.

Ökumenischer Aspekt der Ausstellung
Seit der Reformation wurde Maria teilweise im Kampf der Konfessionen instrumentalisiert: Auf katholischer Seite wurde die Gottesmutter zuweilen offensiv antiprotestantisch als ‚Königin der Gegenreformation' eingesetzt. Auf protestantischer Seite lehnte man anfänglich die Marienverehrung so radikal ab, dass es zu Bilder stürmenden Zerstörungen kam. Diese scharfen Gegensätze gibt es heute nicht mehr. Die Ausstellung lädt mit ihren, zum großen Teil die überkommenen ikonographischen Muster sprengenden Werken auch zum Gedankenaustausch über das heutige Marien-Verständnis ein und unterstützt dadurch den ökumenischen Annäherungsprozess.

Kunst und theologische Reflexion
Die Ausstellung in Peine zeigt 44 Werke in unterschiedlichen Techniken. Die Arbeiten stammen aus allen Kunstgattungen: Malerei, Grafik, Fotografie, Collage, Skulptur, Installation und Video. Viele von ihnen sind in diesem Kontext erstmalig zu sehen. Einige Arbeiten sind erst im Jahr 2011 entstanden. Die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler, die aus verschiedenen Regionen Deutschlands stammen, gehen neue, unkonventionelle Wege, um das Thema in unsere Gegenwart zu transformieren. Dabei wird die traditionelle Ikonographie gesprengt und durch neue Verknüpfungen aus unserer Zeit erweitert. Auch dem Zweifel und kritischen Hinterfragen wird Raum gegeben. Die einzelnen Werke geben individuelle Antworten. Die Gestaltungsvielfalt ist groß und belegt, dass die Verkündigung bis heute für Künstler ein spannungsvolles und interessantes Thema ist.

Die Verkündigung an Maria bleibt ein Geheimnis!
So sind die eigenwilligen Werke Anstöße zur Reflexion und für den Betrachter vielleicht eine Hilfe, in einer scheinbar völlig kommerzialisierten Welt christliche Spiritualität neu zu entdecken.

Dr. Sabine Maria Hannesen, Initiatorin und Kuratorin des AVE MARIA-Projektes

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